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Artikel Tagged ‘Fußball’

Andere Länder, andere Sitten

4. August 2009 madcynic Keine Kommentare

Dieser Allgemeinplatz trifft ja so ziemlich auf alles zu, und auch beim Fußball ist er nicht ohne Relevanz. Die Liebesbekundungen englischer Fußballfans sind oft von dem geprägt, was wir als typisch englischen Humor bezeichnen. Das kann aber den ein oder anderen deutschen Fußballer durchaus vor Probleme stellen.

Als Jürgen Klinsmann 1994 zu Tottenham Hotspur in die englische Premier League wechselte, wurde von den als sangesfreudig bekannten englischen Fans bald auch für Jürgen ein Lied gedichtet. Zur Melodie eines Mary-Poppins-Klassikers sangen sie “Chim chiminee, chim chiminee, chim chim churoo, Jürgen was a German, but now he’s a Jew!”1 Das ist natürlich keine Beleidigung, denn die Spurs haben in den 1970ern die antisemitischen Gesänge gegen sie einfach aufgenommen und sich seither selbst als “jews” oder “yids” bezeichnet. Dabei hat der Verein selbst keine explizit jüdischen Wurzeln, aber wie viele Londoner Clubs einen großen jüdischen Anteil an Fans.
Hier kann man also eigentlich beruhigt sagen, die Fans haben den Deutschen Klinsmann als ein vollwertiges Mitglied der Mannschaft akzeptiert und gut ist.

Wie aber soll man reagieren, wenn man Uwe Rösler heißt und bei Manchester City und Southampton gespielt hat? Rösler, von 1988 bis 1991 auch in Magdeburg unter Vertrag, wechselte ebenfalls 1994 nach England, zu Manchester City. Die City-Anhänger pflegen eine Rivalität mit dem ungleich erflogreicheren anderen Verein aus Manchester, Manchester United. Im 2. Weltkrieg wurde das Heimstadion von United durch deutsche Bomben stark beschädigt, so dass der Verein noch bis 1949 seine Heimspiele an der Maine Road austragen musste, dem Stadion von Manchester City. Diese Episode ist seither natürlich ein steter Quell des Spotts von Seiten der “Citizens”. Anscheinend war mit der Verpflichtung Röslers als einem deutschen Stürmer die Assoziation zu den deutschen Bombern so deutlich und klar, dass schon bald nach Röslers ersten Toren für City T-Shirts auftauchten mit einem Bomber mit deutschen Markierungen und der Kennung M.C.F.C. 1 — und der Aufschrift “Rösler’s grandad bombed Old Trafford”. Präzise, wie Engländer manchmal sind, wurde auch das Datum des Angriffs aufgedruckt.2 Aber nicht nur auf seiner City-Station wurden die (wohl fiktiven) Verdienste von Röslers Großvater derart gewürdigt: Zu seiner Zeit bei Southampton gab es auch einen Fangesang auf Röslers Vater:

Rosler’s dad’s a German,
he wears a German hat,
he dropped a bomb on Fratton,
and we love him just for that.

Fratton Park ist — wie sollte es anders sein — das Stadion des Erzrivalen Portsmouth.3

Wie soll man auf diese Art der Liebesbekundung reagieren?

  1. Siehe auch hier []
  2. Siehe auch die Facebook-Gruppe hier []
  3. Siehe auch hier bei Spiegel Online. []

Ein Leserbrief

31. Juli 2009 madcynic Keine Kommentare

Heute mal ein Eintrag mit Fußball-Bezug. Die Berliner Zeitung veröffentlichte heute einen Artikel, der sich mit dem 1. FC Magdeburg befasste. Leider waren aus meiner Sicht einige Schnitzer im Artikel, so dass ich mich motiviert sah, einen Leserbrief zu verfassen. Und da ich ja eh grad nix zum Bloggen habe, kommt der jetzt hier einfach unten dran.

Sehr geehrter Herr Henkel,
normalerweise freue ich mich stets darüber, einen Artikel über den 1. FC Magdeburg in einem Medium zu finden, das nicht aus Sachsen-Anhalt kommt. Leider wird diese Freude im Fall Ihres Artikels „Zerwürfnis aus Stein“ vom 31. Juli durch einige grobe Schnitzer getrübt.

Das fängt schon damit an, dass der FCM nicht “seit wenigen Tagen” die Lebenszeitmitgliedschaft anbietet, sondern bereits seit 2006. Dass das für den Käufer ein günstiges Angebot ist, steht außer Frage, aber von Verzweiflung würde ich in dem Zusammenhang nicht sprechen – schließlich sind die Preise doch recht hoch, so dass sich dieses Instrument kaum als Rettung eines darbenden Vereins anbietet.

Was der Artikel richtig erfasst hat, ist die Tatsache, dass die anhaltende Strukturschwäche in Magdeburg und Umgebung auf Dauer ein Problem darstellt. Der größte Industriearbeitgeber in der Region Magdeburg ist nach wie vor Enercon, ein Windenergieanlagenhersteller mit Stammsitz in Aurich, ein Unternehmen, das an Sportförderung so sehr interessiert ist, wie die Grünen an Atomenergieförderung.

Aber weiter: Dass das Stadion mit Aussicht auf Bundesligaspiele gebaut wurde, ist sicherlich richtig, dennoch ist zum Zeitpunkt des Baubeginns kaum jemand von sofortigen Erfolgen ausgegangen. Magdeburg spielte 2004 in der Oberliga Süd, als der Abriss der alten Heimstätte begann. Dass dann gleich in der ersten Saison im neuen Stadion die Möglichkeit eines Aufstiegs in den Profifußball bestand, war absolut unerwartet und nicht nur teils überdurchschnittlichen Leistungen der Mannschaft, sondern eben auch der Schwäche der Konkurrenz geschuldet.

Zur Geschichte nach 1990 muss ich auch noch einige Sätze verlieren. Sie sprechen von “verpassten Aufstiege[n]” 1991. Zunächst mal ist ein Gang aus der höchsten Spielklasse er DDR in die zweithöchste Gesamtdeutschlands wohl kaum ein Aufstieg, sondern ein Resultat des Umgangs des (west-)Deutschen Fußball-Bundes mit den Mannschaften aus der DDR. Diese wurden nicht integriert im klassischen Sinne, auch wenn der DFB das gern so verkauft, sondern das westdeutsche Ligensystem wurde aufgebläht, um sie aufzunehmen. Die Bundesliga wurde auf 20 Mannschaften aufgestockt, die 2. Bundesliga wieder in zwei Staffeln mit insgesamt 24 Mannschaften geteilt – mit entsprechend mehr Absteigern. So flogen denn auch gleich drei der sechs Zweitligisten aus der früheren DDR-Oberliga aus der 2. Liga. Insgesamt ein Vorgang, der bis heute Folgen hat. Was Sie mit “der anschließend vermasselten Qualifikation für die Dritte Liga im selben Sommer” (gemeint sein kann eigentlich nur der Sommer 1991) meinen, erschließt sich mir schon gar nicht, denn der 1. FC Magdeburg spielte nach 1991 zunächst in der dritten Liga: seinerzeit die NOFV-Oberliga (heute 5. Liga). Bis auf den Abstieg durch die Insolvenz ist der FCM lediglich durch Ligareformen und -zusammenlegungen abgestiegen – ein in Deutschland wohl einmaliger Vorgang.

Was das Anziehen des verzweifelten österreichischen Getränkeherstellers angeht, sollte man auch einschränken. Nachdem Red Bull 2006 unter anderem an den Widerständen des Leipziger Publikums mit dem Einstieg bei Sachsen Leipzig gescheitert ist, hat man explizit einen Verein ohne Tradition gesucht – und da ist der FCM bei aller Kritik der falsche Verein.
Zum Satz mit der “aggressiven rechten Ultra-Szene” möchte ich am liebsten nichts mehr sagen. Was ist Ihrer Meinung nach eine Szene? Reicht eine Minderheit von rechten Idioten aus, um von einer rechten Szene zu sprechen? Ich glaube nicht. Davon abgesehen bin ich mir auch nicht sicher, was Sie mit dem Begriff Ultra meinen, denn von einem aggressiven (im Sinne von gewalttätigen, denn nichts anderes suggeriert Ihre Verwendung des Begriffs) Auftreten Magdeburger Ultras ist mir in den letzten Jahren nichts bekannt.

Disclaimer: Ich stehe dem FCM durchaus emotional nahe. Es existieren selbstverständlich auch im Umfeld des 1. FC Magdeburg Probleme, wie es bei jedem Fußballverein Probleme gibt. Allerdings sollte man sich doch darauf konzentrieren, Tatsachen anzuführen und nicht von existierenden Probleme ablenken, indem man 08-15-Vorurteile aus der Schublade holt.

Eine Frage an Matthias Sammer

18. Mai 2009 madcynic Keine Kommentare

Am vergangenen Sonnabend strahlte der Mitteldeutsche Rundfunk in seiner Sendung Sport im Osten einen Beitrag aus, der sich mit der Frage des Sportdirektors bei Dynamo Dresden beschäftigte. Zu Wort kam auch der ehemalige Dynamo-Spieler Matthias Sammer, besser bekannt als DFB-Sportdirektor. Neben generellen Freundschaftsbezeugungen Richtung Ralf Minge (Ex-Sportdirektor bei Dynamo) fiel dabei auch ein Satz, der aufhorchen lässt:

Da kann ich auch mit einem bisschen Abstand dem Verein nicht mehr helfen.

Was meint Sammer damit? Zum Thema muss man wissen, dass der Verein Dynamo Dresden nicht erst in dieser Saison in die Schlagzeilen geriet, weil er angeblich kurz vor der Pleite stand. In der Saison 2006/07 war dies auch bereits der Fall. Dort gab Dynamo bekannt, dass sie nicht mehr liquide seien, just in dem Augenblick, als der Abriss und damit der Neubau des Stadions in Dresden begonnen hatte. Dieses Stadion ist ein städtisches Stadion, das die Stadt mit Dynamo Dresden als Hauptnutzer errichtet. Als der Verein nun vor der Pleite stand, gab es ein Darlehen der Stadt unter der Bedingung, ein Sanierungskonzept vorzulegen. Das ist bisher noch nicht geschehen.

Die Frage ist allerdings, wie ein Verein überhaupt in diese Schieflage kommen, und dennoch die Lizenzierungsverfahren erfolgreich abschließen konnte. Für 2006/07 hat der Verein einen Etat eingereicht, der nach den Worten des mittlerweile zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Thomas Mulansky nicht vom Aufsichtsrat abgesegnet gewesen ist. In diesem Etat wurde unter anderem mit einem Zuschauerschnitt kalkuliert, der wegen des Stadionumbaus in Dresden gar nicht haltbar war. Kurz gesagt – die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins war nicht gegeben. Dynamo Dresden erhielt die Lizenz.
Für 2008/09 reichte der Verein wieder einen Etat ein und wieder erhielt er die Lizenz – um pünktlich zur Winterpause zu vermelden, dass man nicht mehr liquide sein. Dieses Mal sprang Kinowelt-Besitzer Michael Kölmel, durch großzügige Darlehen an mehrere Vereine (1. FC Union Berlin, Karlsruher SC, FC Sachsen Leipzig, 1. FC Magdeburg) schon bekannt, ein und half Dynamo mit einem Darlehen über die Runden. Als Gegenleistung erhielt er von Dresden die Rechte am Vereinslogo…
Noch hat Dynamo Dresden keine Lizenz für 2009/10 erteilt bekommen, aber das scheint nur eine Frage der Zeit.

Nimmt man nun die fragwürdigen Lizenzentscheidungen und setzt sie in Zusammenhang mit dem mdr-Beitrag, in dem unter anderem die Rede davon ist, Sammer habe “seine Hand schützend” über den Verein gehalten, kombiniert mit Sammers eigener Aussage, er könne “dem Verein nicht mehr helfen”, so entsteht doch ein recht merkwürdiges Bild. Was genau meint der mdr, wenn er von der schützenden Hand spricht und was meint Sammer, wenn er sagt, er kann nicht mehr helfen? Und zu guter Letzt: Warum fragte der mdr nicht gleich nach?

Den mdr-Beitrag findet man noch hier, es ist Nummer 20, “Fußball: Kehrt Ralf Minge zurück?”

Disclaimer: Ich bin Anhänger des 1. FC Magdeburg, einem Verein, der sich als Geschädigter betrachten könnte, wenn Dynamo Dresden zu Unrecht die Lizenz für 2008/09 erhielt.

Bau auf, bau auf

13. Januar 2009 madcynic Keine Kommentare

So begann ein Lied, gerichtet an die Jugendorganisation in der DDR, die Freie Deutsche Jugend. Und offenbar wirkt das bis heute nach. Jürgen Klinsmann, Trainer des FC Bayern München, wird jedenfalls bei kicker.de mit den Worten zitiert:

Jetzt muss er Konstanz aufbauen.

Gemeint ist Torhüter Rensing, der hier offensichtlich für schlechte Leistungen bestraft werden soll. Was allerdings in Konstanz so kaputt sein soll, dass man da ein Aufbaukommando im Geiste der FDJ braucht, weiß ich auch nicht.

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Feststellungen

30. Juli 2008 madcynic 2 Kommentare

Wenn man im Rahmen eines Kneipengesprächs über Länder spricht, die mit ND aufhören, mit IS anfangen und irgendwo in der Mitte ein LA haben, ist es nur ein kurzer Schritt zur Feststellung, der Titel des Europameisters im Fußball berechtige zur Einführung eines LA im Landesnamen.
Daher heißt es ja auch Russland, Niederlande, Spalalanien, Italalien, Tschelachien, Franklalareich, Dänelamark…und Deutschlalaland. Wobei es ja eigentlich Sowjetlaunion heißen müsste, aber da das keiner aussprechen konnte, hat sich der Staat bekanntlich aufgelöst.

Freudscher Vertipper?

18. März 2008 madcynic Keine Kommentare

Was mag sich der ZDF-Redakteur gedacht haben, der diese Infobox schuf?

Ausschnitt von ZDF-Seite

Update: Mittlerweile ist es wohl aufgefallen, zumindest wurde es geändert. Naja, unter der Überschrift “Lustreise nach Dortmund” kann das schon mal vorkommen.

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Grammatikalisches

17. März 2008 madcynic 4 Kommentare

Liebe IKA-Gruppe.
Ich finde es ja toll, dass ihr den deutschen Sport insbesondere dadurch unterstützt, dass ihr beim SC Freiburg Bandenwerbung schaltet. Aber irgendwie scheint mir bei eurem Slogan grammatikalisch was nicht hinzuhauen. “Designed to work perfect” ist…ungrammatikalisch. Schließlich ist work ein Adjektiv Verb (wie peinlich, danke LeSpocky), ergo erfordert es ein Adverb: “Designed to work perfectly”.
Ach so, ihr meint, dass man mit euren Geräten perfekt arbeiten kann? Hmm…nein, das müsste dann mit for ausgedrückt werden, also “Designed for perfect work” oder “Designed for working perfectly”. Dass ihr als weltweit agierendes Unternehmen natürlich keinen deutschsprachigen Claim haben dürft, ist ja eh klar.
Aber naja, war bestimmt nicht sooo teuer die Kampagne…

Was einem so auffällt, wenn man Fußball guckt.