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Wer soll das bezahlen – und andere Fragen

Ich muss nun doch noch mal was zur Ulrichskirche sagen. Da haben es die Gegner ja mittlerweile geschafft, ihre Unterschriften für einen Bürgerentscheid zu dieser Thematik hinreichend zahlreich zu sammeln. Der Stadtrat hat dementsprechend eine Beschlussvorlage erhalten, der die Durchführung der Bürgerbefragung für den Tag der Landtagswahl, also den 20. März 2011, vorsieht.
Dort heißt es:

Wie alle dem Kommunalwahlrecht unterliegenden Urnengänge ist ein Bürgerentscheid allein von der Gemeinde zu finanzieren, mit einer Kostenerstattung durch das Land ist also nicht zu rechnen. Alle im Zusammenhang mit einem separat abgehaltenen Bürgerentscheid anfallenden Kosten wären diesem in vollem Umfang zuzurechnen. Eine Schätzung des Wahlamtes beläuft sich für diesen Fall auf rund 310 000 EUR. […] Insgesamt werden die durch die Durchführung eines Bürgerentscheids am Tage der Landtagswahl entstehenden Zusatzkosten auf etwa 109 000 EUR geschätzt.

Somit entstehen der Stadt Magdeburg durch das Bürgerbegehren und den nach Recht und Gesetz fälligen Bürgerentscheid also Kosten in Höhe von mindestens 109.000 Euro. Wir haben es hier also mit einer Initiative zu tun, die aus zahlreichen Gründen (denen ich mich weder in Teilen noch in der Gesamtheit anschließen kann) verhindern möchte, dass Privatpersonen ihr privates Vermögen in den Wiederaufbau eines Gebäudes investieren, und die dafür in Kauf nimmt, dass der Kommune für die Durchsetzung ihrer Ziele Kosten entstehen.

Mein zunächst flapsig gemeinter Tweet vom 4.11.1 wurde von einem der Initiatoren des Bürgerbegehrens sachlich korrekt beantwortet: „Die Kosten trägt die Stadt, ist so in der Gemeindeordnung festgelegt.“ Wenngleich das sachlich richtig ist, so hindert sicher niemand die Initiatoren des Bürgerbegehrens daran, der Stadt die Summe von 109.000 Euro zu spenden. Es liegt mir fern, hier zu fordern, dass, wer Demokratie will, sie auch bezahlen muss, denn schließlich tun wir das ja solidarisch alle – durch unsere Steuern, beispielsweise – aber es muss erlaubt sein, auf die Ironie hinzuweisen, dass 109.000 kommunale Euro ausgegeben werden sollen, um ein privat (ohne städtische Mittel) finanziertes Bauprojekt zu verhindern.

Im übrigen hat die Debatte um die Ulrichskirche wohl einen neuen Tiefpunkt erreicht, wies doch zunächst ein Gegner2 in einem Leserbrief darauf hin, dass die Idee des Wiederaufbaus ja gar nicht von einem Magdeburger stamme, und dies ja merkwürdig sei. Heute fand sich nun die Retourkutsche: Die Hauptinitiatorin des Bürgerbegehrens komme aus Kassel und einer der aktivsten auf Seiten der Gegner sei erst seit vier Jahren in der Stadt. Als ob das etwas mit der Legitimität des einen oder anderen Anliegens zu tun hätte! Aber wahrscheinlich ist das einfach ein Resultat aus der fortgeschrittenen, fruchtlosen Debatte, in der sich beide Seiten ihre Argumente eher an den Kopf geworfen, denn gepflegt ihre Standpunkte ausgetauscht hätten.

Zur Rolle des Herrn Oberbürgermeister Trümper, der sich in der Frage der Ulrichskirche für ein Bürgerentscheid stark gemacht hat – zusammen mit dem für Kultur und Sport bei der Stadt zuständigen Dr. Rüdiger Koch, der nebenan neulich erst Thema war, möchte ich mich am liebsten gar nicht äußern. Aber die Dreistigkeit, mit der Lutz Trümper hier für Bürgerbeteiligung eintritt, die er in der für die Bürger sicher nicht weniger relevanten Frage des Tunnelbaus unter den Bahnhofsbrücken strikt abgelehnt hat, ist schon geeignet, dem Beobachter den Atem zu verschlagen.
Allgemein muss man sich in letzter Zeit öfter die Frage stellen, ob Herr Trümper noch den Überblick darüber hat, was gut für seine Stadt ist. Da gibt es zum Beispiel seit einiger Zeit den Lutherweg in Sachsen-Anhalt, der aus Anlass der 500-Jahr-Feier der Reformation 2017 ins Leben gerufen wurde. Ein Blick auf den Wegverlauf zeigt, dass er nicht nach Magdeburg führt. Und dass, obwohl Magdeburg die erste bedeutende Stadt war, die sich zum Protestantismus bekannte, nachdem Luther hier predigte. Obwohl die Stadt nach 1547 zahlreichen protestantischen Gelehrten der Universität Wittenberg Zuflucht bot. Obwohl Magdeburg 1550-1551 von katholischen Truppen belagert wurde, die allerdings unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Obwohl Magdeburg 1631 im Namen der Gegner der Reformation fast völlig zerstört wurde. Eine Reaktion des Oberbürgermeisters zu dieser in meinen Augen äußerst schwerwiegenden Auslassung, insbesondere im Hinblick auf 2017 zu erwartende Touristen, ist mir nicht bekannt.

Um den Kreis zu schließen – nach ihrer Vertreibung aus Wittenberg arbeiteten viele Gelehrte in Magdeburg in der Ulrichskirche. Diese Kirche spielte also auch in der Reformation eine bedeutende Rolle. Nebenbei war sie auch noch die Taufkirche eines der, wenn nicht des bedeutendsten Magdeburgers: Otto von Guericke.

[EoR]3

  1. „Bürgerentscheid zur Ulrichskirche wohl am 20.03 http://bit.ly/915bX5 – Zahlen die Gegner auch die Kosten, so wie Befürworter die Baukosten?“ []
  2. das Wort Gegner bedeutet hier nicht, dass der Autor des Leserbriefs der Initiative gegen den Wiederaufbau der Ulrichskirche organisatorisch zuzurechnen ist, wohl aber, dass er deren Zielen nahe steht []
  3. End of Rant []

The final straw

Today, 1. FC Magdeburg, placed dangerously close to the relegation zone, faced league leaders Chemnitzer FC in the MDCC-Arena in Magdeburg. The game began with two shocks for the hosts. After Wolf almost scored in the opening minute, Chemnitz did better and took the lead after a bit of sleepiness in the home side defense. A few minutes later, right-back Rainer Müller limped off with what looked like an ankle injury.
Magdeburg were in shock, and if Eren Sen hadn’t headed a corner off the line, Chemnitz might have decided the game after just seven minutes. The way it was, Magdeburg were allowed to suffer a bit longer, until former Magdeburg forward Dobrý made it 2-0 after a horrendous pass to the opposition from Magdeburg’s Friebertshäuser. The game was lost then and there, considering both sides‘ quality, but Verkic offered some hope when he scored of a Wijks cross ten minutes before the break. Now came the moment of glory for the referee – who looked generally too lenient, with only two bookings in the entire match, despite plenty of opportunities to caution Chemnitz players for tactical fouls and the like – Verkic headed a long ball on to Wolf who scored the equalizer only to have it turned down for a Verkic foul that never was.

Magdeburg began the second half with new confidence, and put the pressure on Chemnitz. Early on, Wolf scored again, but this time Verkic was adjudged to have interfered with the goalkeeper in the six-yard box. Unjustly, in my humble opinion. As the match continued, Chemnitz were given more and more room by Magdeburg’s desire to equalize – and being the top team they are, they capitalized on the space they were given.
In the end, Magdeburg will feel harshly done by the 1-6 scoreline, the biggest home defeat in the club’s history (unless 0-5 seems worse), and might turn to the referee for a scapegoat, but in reality, a Chemnitz win accurately reflects the reality on the pitch.

The real question to be asked, however, is not if the team are unable to compete in the Regionalliga, or if manager Ruud Kaiser is unable to create a winning team. The question is the same that I have laid out in this blog time and time again: How much longer will the inept leadership of Volker Rehboldt and his cronies be allowed to lead the club down the road to disaster. As a Chemnitz supporter rightly observed in his match preview, Magdeburg have turned from a contender for promotion to the Second Bundesliga to a fourth division side with no hope of promotion at all. And all this within four years.
The problem, of course, is not limited to the board with its chairman Volker Rehboldt, but extends to the supervisory board, with its chairman Dr. Rüdiger Koch. Koch, responsible for sports and culture in the city of Magdeburg, is head of a group of people who are charged with overseeing the performance and actions of the club’s board – and to prevent the board from harming the club.
In the past years, the actions of the board have led to the club missing all season targets, losing the advantage of a 10,000+ spectator average, and to the club having to reduce its budget year after year. All these factors apparently do not constitute acts that would bring the club into danger, as the supervisory board has repeatedly proven by its inaction – and, in the last winter break, a 6-0 vote of confidence for Rehboldt’s board. This year, however, the club face the very real threat of relegation (what with three points between Magdeburg and the first relegation spot), so maybe now the club is in danger?

I’m not claiming everything will get better with a new chairman and a new board. But with a new chairman there is still the possibility that he is not some inept person. Rehboldt has proven that he is incapable of leading the club to a better future time and again. It is time for someone in the supervisory board to grow some balls and stop Rehboldt before it’s too late, before the club slip into division five and oblivion.

Home premiere

After two more test matches in Schönebeck (6–0) and in Brandenburg (3–1), the new team was presented to the home fans on Friday. Opponent was Bundesliga side VfL Wolfsburg, but to be honest, it might have been better to play an opposition who actually had any intention of putting up a fight.
In front of about 3,000 spectators, 1. FC Magdeburg dominated the first half and should have scored at least three times, but a combination of good saves and ineptness prevented that. Wolfsburg did not really produce anything, despite having Bundesliga topscorer Edin Dzeko with them.
After the break things changed a bit, Magdeburg scored off a corner, when a deflected ball reached Maik Georgi (who miraculously has convinced yet another manager of his value). However, Wolfsburg struck back immediately, when Magdeburg cleared a corner into the center and the Wolfsburg player who conveniently stood there fired a shot in from 20 yards.
Magdeburg still should have won the game as Wolfsburg did not change their passive attitude, but Eddy Vorm’s 35-yard lob missed the goal by two feet.
In all the spectators saw a performance that offers some hope for the new season, as the team produced some good passing display and did create danger up front. All of this must of course be seen in the context of ongoing pre-season training and the fact that these players mainly have met for the first time only two weeks ago – there should be improvement until the first Regionalliga match in Lübeck.

In other news, Magdeburg have a new shirt sponsor who apparently pays between 300k and 500k euros per season in the next two seasons. The old shirt sponsor also stays with the club as sponsor, ony „slightly reducing“ their commitment.

Auf halbem Weg stehen geblieben

Ja, ich hab gesagt, das Blog ruht erstmal. Aber die Volksstimme hat’s geschafft, dass ich meine Stille erstmal unterbreche. Heute berichtet die Volksstimme über die Übergabe des Fördermittelbescheids für den Stadionneubau in jedes Magdeburgers Lieblingsstadt Halle. Dabei sind gewisse Ansätze von kritischem Journalismus zu erkennen. Aber leider sind die beiden Autoren auf halbem Wege stehen geblieben.

Das Finanzierungsmodell in Halle sieht folgendermaßen aus: Das Land gibt 6 Millionen Euro Fördermittel, die restlichen 11,5 Millionen will die Stadt Halle aufbringen. Ich will jetzt gar nicht auf die Tatsache eingehen, dass der Stadionbau in Magdeburg nur Förderungen der Nebenanlagen erhalten hat – und die wohl auch nur aus bereits bestehenden Förderprogrammen (z.B. aus einem Förderprogramm zur Anlage von Kunstrasenplätzen, oder der Neubau einer Mehrzweckhalle – die ja mal gleich gar nichts mit dem Stadionneubau zu tun hat, mit der Ausnahme des Standorts), während in Halle direkt der Bau des Stadions gefördert wird. Ich will auch nicht darauf herumreiten, dass Magdeburg nur 3,75 Millionen von ursprünglich zugesagten fünf Millionen erhalten hat. Worauf ich aber hinaus will, ist: Warum übergibt das Land jetzt den Bewilligungsbescheid? Ursprünglich war aus dem zuständigen Ministerium zu hören, die Stadt Halle solle erst mal ihre 11,5 Millionen absichern, bevor das Land mit dem Scheck vorbeikommt.
Diese 11,5 Millionen will die Stadt Halle aus Grundstücksverkäufen erlösen. Nun ist natürlich eine solche Finanzierung grundsätzlich immer möglich und, wenn man sich die relativ großen Flächen, über die ostdeutsche Gemeinden verfügen, vor Augen hält, ein gangbarer Weg. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass wir in einer Rezession leben, in der auch der Grundstücksmarkt – zumindest in den oberen Größenordnungen – nicht so lebendig ist. So bleibt die Frage, wer diese Grundstücke erwerben soll, eine nach wie vor unbeantwortete – böse Zungen behaupten gar, das Land solle da als Käufer auftreten.

Merkwürdig bleibt die unterschiedliche Behandlung der Stadionbauprojekte beider Städte allemal.

Schallschutz

Wer schon einmal in der Universitätsbibliothek in Magdeburg war, wird festgestellt haben, dass die Architektur nicht eben zweckmäßig ist. Das fängt bei teilweise unglaublich langen Wegen an, die man zu den einzelnen Abteilungen zurücklegen muss, und hört bei der schlechten Lautstärkereduzierung noch längst nicht auf.
Gerade in der Prüfungszeit hat man eigentlich immer einen Lärmpegel in der Bibliothek, der über dem liegt, was für konzentriertes Arbeiten tolerabel ist. Aber seit kurzem gibt es eine Lösung für diese Problematik. Weiterlesen

Der Hauptstadtvertrag

In der heutigen Volksstimme findet sich ein Bericht über ein Informationspapier der Stadt Magdeburg in der der Fortschritt in Sachen Hauptstadtvertrag mit dem Land Sachsen-Anhalt behandelt wird. Es gibt keinen Fortschritt, sagt die Drucksache. Außerdem enthält sie Betrachtungen zu Hauptstadtverträgen in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Letztlich endet das Papier mit der Feststellung, die Arbeitsgruppe Hauptstadtvertrag werde weiterhin bestehen bleiben.

Wieso die Autorin des Volksstimmebeitrags ihren Artikel mit der polemischen Bemerkung „Mag sein, sie zeitigt in weiteren zwei Jahren nicht mehr als ein weiteres inhaltsarmes Informationspapier.“ schließt, wird wohl nur sie selbst wissen. Jeder, der sich mit dem Land Sachsen-Anhalt und dem Verhältnis zwischen Landesregierung und Landeshauptstadt beschäftigt, wird ahnen, wieso es hier keine Fortschritte gibt. Die Stadt Magdeburg kann den Hauptstadtvertrag schließlich schlecht mit sich selbst abschließen – und eben da liegt der Hase im Pfeffer. Die Thematik Hauptstadtvertrag spielt augenscheinlich nur bei der Landtagsfraktion der Linken und allgemein auf Seiten Magdeburger Abgeordneter oder Magdeburger Kreisverbände der im Landtag vertretenen Parteien eine Rolle. Statt sich also mit einer Spitze zu verabschieden, hätte es dem Artikel gut getan, hier einmal die andere Seite der Medaille, also die Haltung des Landes zu beleuchten. Stattdessen kommt das Land Sachsen-Anhalt lediglich im ersten Absatz vor, als Teil einer Hypothese.

Liebe FDP-Bundestagsfraktion

Meint ihr nicht, dass die Prioritäten hier ein wenig…daneben sind?

Ganz davon abgesehen, dass eine Ausreise aus der Prager Botschaft mit Reisefreiheit ungefähr so viel zu tun hat wie eine V2 mit einer Saturn V (es gibt einen Zusammenhang…irgendwie), hat doch hauptsächlich die Bevölkerung der DDR den Weg zur Überwindung der deutschen Teilung geebnet.

FDP-Pressemitteilung