Tagarchiv FGSE

Was autorisiert Sie denn dazu?

In der vergangenen Woche fand an der FGSE die Einführungswoche für die Erstsemester statt. Außerdem beginnen gerade die Bauarbeiten zwecks Sanierung des Gemäuers. Als interessierte und hilfsbereite Studenten waren der Flint und ich natürlich auch vor Ort, um eventuell einige Unterstützung zu leisten und hier und da Hilfestellung zu geben. Obwohl die eigentliche Einführung erst am Mittwoch stattfand, waren wir schon am Montag in der Fakultät, auch in der (an sich von vornherein illusorischen) Hoffnung, jemand im Fachschaftsrat könne uns Auskunft über die geplanten Aktionen geben.
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Institutsstempel

Neulich fand ich an der Wand des Flurs meiner Fakultät folgendes:
institutsstempel

Das Stempeln der Wände als Prozess des Eigentumserwerbs? Ich weiß es nicht, ich finds nur kömisch.

Episode in der Seminarbesprechung

„Ich kann das so nicht akzeptieren, was du sagst“, sprach die Lehramtstudierende zur Bachelorstudentin im vierten Semester, die sich ob der größeren Erfahrung der Magister und Lehrämter in den Diskussionen im Seminar etwas eingeschüchtert fühlte.

„Mal wieder nix verstanden“, sagte der Zyniker und schüttelte traurig den Kopf.

P.S. Natürlich widersprach der Zyniker danach auch noch der Lehramtsstudierenden. Is ja Ehrensache.

Leifblok

Der Flint bloggt ja grade live…neben mir sitzend und so. Und bevor der hier weiter mehr oder minder zusammenhangloses Zeug schreibt, habe ich mal eingegriffen.

1527: Theoretisch sind wir nachher noch dran, sagt der Flint. Und damit hat er auch durch aus recht. Wenn der Herr Dozent sich daran erinnert, dass wir hier auch noch sind. Das wäre gut, schließlich haben wir ja nun nicht ohne Grund vier Seiten Handout (Vier! Seiten! Handout!) gemacht. Und Audiodateien. Und so.
1529: Übrigens gehts jetzt gleich weiter – nach dem nächsten Einwurf des Dozenten. Oh, da sind wir schon. Ähm…warte, worum gehts. Ah, Jahns Werk. Immer noch zu leise, aber macht ja nix. Übrigens ist das immer noch der historische Teil. Dabei dachte ich doch eigentlich, es wäre ein linguistisches Seminar… „geht wenigstens n bisschen um Sprache“, sagt der Flint. Na gut. Wenn er meint. Ui. Referentenwechsel. Und jetzt gehts um Turnsprache. Ich gebe ab.

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Montage…

Montage. Jede Woche hat einen, und mindestens 9 von 10 sind absoluter Mist.
Da geht man dann in die Uni, muss einen Vortrag halten – und wird dann davon überrascht, dass die Referatsgruppe doch um 1 mächtiger ist als erwartet. Nun gut, war nicht so tragisch, weil sich das Referat aufgrund von Zeitmangel auf die nächste Woche verschoben hat. Zur Begründung der Dozentin steht ja anderswo schon was.

Heute Teil 2. Zunächst die Frage des dritten Manns, in welcher Reihenfolge der Auftritt absolviert wird. Gut, verständlich, nachvollziehbar. Beim Blick auf die Ausarbeitung eines anderen Vortragenden dann aber „Das ist schlecht, das mach doch ich“ zu sagen, ist, sagen wir mal, problematisch. Wenn man das dann noch mit „Das hab ich aber mit ihr [gemeint ist die Dozentin] abgesprochen“ abrundet, sollte man ob des drohenden Wutausbruchs nicht noch nachfragen, ob gewisse Menschen (das bin ich) „stänkern“ wollen. Verdammich, sowas spricht man nicht mit der Dozentin ab, sondern mit den anderen Leuten in der Referatsgruppe. Kannjawohlnichwahrsein.

Dass nach diesem schönen Erlebnis das Hauptseminar ansteht, bei dem ich mich niveaumäßig und methodisch immer in Klasse 10 zurückversetzt fühle, hat auch nicht geholfen.

Montage. Kein Mensch braucht die. Echt.

Die deutsche Sprache ist für mich…

Die deutsche Sprache ist eine unter vielen, eine von etwa 6500 weltweit. Einen besonderen Status hat das Deutsche für mich allein deshalb, weil es meine Muttersprache ist. Ich nutze die Sprache ausschließlich zur Informationsvermittlung, sie ist für mich ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck.
Bei der Ver- und Übermittlung von Informationen kommt es darauf an, möglichst genau und präzise, wenn möglich also eineindeutig zu formulieren. Eine solche eindeutige Formulierung ist bei mir das Ziel beim Sprachgebrauch. Es kommt mir nicht darauf an, ästhetisch besonders wertvolle Formulierungen zu finden oder durch meine Wortwahl bestimmte Gefühle hervorzurufen. Diese beiden Dinge überlasse ich lieber denen, die das können: Dichter, Liedermacher und Schriftsteller. Diese sachliche, präzise Sprache mag manchen nicht zufrieden stellen, ja sogar langweilen, aber sie ist in den Bereichen, in denen ich die Sprache nutze, unvermeidlich, weil zielführend. Es geht in der Wissenschaft mitnichten darum, ästhetisch wertvoll formuliert Thesen unter das Volk zu bringen, die sich im Nachhinein als unhaltbar erweisen. John Keats‚ Verse „Beauty is truth, truth beauty“ haben in der Wissenschaft nur in Bezug auf die Schönheit der Wahrheit Anwendung gefunden.
Besonders im naturwissenschaftlichen Bereich leistete das Deutsche in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wichtige Dienste, war es doch Sprache vieler führender Wissenschaftler der Zeit. Diese Rolle hat die deutsche Sprache mittlerweile an das Englische abgetreten, allerdings gibt es auch heute noch Zwecke, für die einige Menschen lieber die deutsche Sprache nutzen als andere Sprachen.
In meinem Fall ist es eher umgekehrt: Für mich gibt es Zwecke, für die ich lieber andere Sprachen verwende als die deutsche. Schon die Hamburger Band Tocotronic hat 1995 festgestellt: „über Sex kann man nur auf Englisch singen/allzu leicht kann’s im Deutschen peinlich klingen“ – ähnlich verhält es sich für mich mit … Fußball.
Tatsächlich glaube ich, dass man in der englischen Sprache bessere Texte über die Fußlümmelei schreiben kann, als man es im Deutschen je könnte. Allerdings mag diese Meinung auch mit der überwiegend doch vergleichsweise schwachen Berichterstattung in deutschen Medien zusammenhängen. Möglicherweise kann man im Spanischen oder Italienischen noch besser über Fútbol oder Calcio schreiben… aber darum geht es hier ja nicht. Die deutsche Sprache ist für mich ein Weg, Gedanken auszudrücken, aber sie ist nicht immer das Mittel der Wahl, die Entscheidung für das Deutsche hängt von mehreren Faktoren ab, von denen das intendierte Publikum lediglich einer ist — wenn auch ein wichtiger. Andere Faktoren sind das Thema, über welches ich zu schreiben oder sprechen gedenke, sowie die Überlegung, wie viel Distanz zum Geschriebenen sinnvoll ist — es fällt mir prinzipiell leichter, Distanz aufzubauen, wenn ich eine andere als meine Muttersprache verwende.
Bleibt festzuhalten: Deutsch ist für mich ein Mittel, es ist nie Zweck. Allerdings unterscheidet sich der Status des Deutschen bei mir in keiner Weise von dem anderer Sprachen.

Vollversammlung!

Heute war ich auf einer Vollversammlung. Also eigentlich. Zum Glück kamen nicht alle 3.000 Studenten der Fakultät, so dass man im Raum noch einen Sitzplatz bekam. Gut, atmen konnte man nach ’ner Stunde so auch nicht mehr, aber Opfer müssen gebracht werden, es geht schließlich um…
Ja, worum geht es eigentlich? Kurz zur Situation. Also, der Bolognaprozess führt zur Abschaffung der traditionellen Studiengänge Diplom und Magister. Und da das Land Sachsen-Anhalt in seiner unendlichen Weisheit beschlossen hat, die Gymnasiallehrerausbildung nur noch in der verbotenen Stadt durchzuführen, wurde auch dieser Studiengang in Magdeburg abgeschafft und läuft aus. Das alles in Zusammenarbeit mit Einsparungsmaßnahmen führt zu einer gewaltigen Umstrukturierung an der Fakultät, die sich nun auf die Ausbildung von lustigen Menschen mit dem Abschluss „Bachelor of Arts“ konzentriert.
Blöd nur, dass es da noch den ein oder anderen Studenten gibt, der tatsächlich die Frechheit besitzt, sein Lehramtsstudium (oder Magisterstudium) noch zu Ende führen zu wollen…

Durch Personalmangel kommt es dann mitunter zu Engpässen, Veranstaltungen werden nicht angeboten oder sind für zu wenige Studenten geöffnet – oder für Magister/Lehrämter gleich gar nicht zugänglich. Und daaaaann…dann formt sich eine soziale Bewegung (also zumindest hab ich das heute abend öfter gehört, ich studier sowas ja nich…was’n das?), und die macht erstmal eins. Viel Lärm. Da wird dann zu einer Briefaktion aufgerufen, man möge doch bitte dem Herrn Rektor einen Brief schreiben – is klar, der Mann hat ja nix wichtiges zu tun und freut sich über Dutzende Briefchen, die bei ihm eintrudeln, natürlich schön häppchenweise. Dann kommt der Rektor in die Fakultät, wo er kurz die Lage erläutert – fassen wir kurz zusammen, es gibt äußere Zwänge und manches is eben so.

Nun ist man natürlich damit nicht zufrieden, und wenn der Deutsche nicht mehr weiter weiß, gründet er ’nen Arbeitskreis. In diesem Fall gilt: Er versucht es. Kennt jemand diese Videos von Studenten aus den 60er Jahren, die in irgendwelchen Hörsälen saßen und diskutierten? Ungefähr so war das heute auch, nur in Farbe statt schwarzweiß, mit nem kabellosen Mikro und dem Uniradio statt mit irgendwelchem nationalen Fernsehen. Naja, der Arbeitskreis hat ja noch nicht angefangen.

Zunächst einmal wurde das Konzept vorgestellt, das heißt nein, eigentlich wurden die Forderungen vorgestellt. Sie lassen sich gut auf einen Nenner bringen: Man fordert Mehr. Mehr Dozenten, mehr Veranstaltungen, mehr Betreuung, mehr mehr!
Dass muss ja auch finanziert werden, wird jetzt vielleicht der ein oder andere einwerfen. Stimmt. Hab ich auch gedacht. Aber das ist zu kurz gedacht. Einer der Anwesenden gab dem Arbeitskreis dann auch mit auf den Weg, Forderungen möglichst konkret zu formulieren.
Da kam allerdings ein Gegenargument, das mir die Augen öffnete: Je konkreter die Forderungen, desto wahrscheinlicher ist ihre Erfüllung – und dann wäre die Protestbewegung am Ende. Verflixt.

Aber um ein jähes Ende der Protestbewegung zu verhindern, haben wir ja jetzt den Arbeitskreis.

Kleiner Nachsatz: Ja, die Studienbedingungen an der FGSE sind schlecht im Augenblick, und ja, dagegen muss etwas getan werden. Aber wer in seinem Aktionismus nicht in der Lage ist, bestehende Strukturen, wie den fasra oder den Fakultätsrat, einzubinden, wer sich dann mit der Feststellung man habe nicht erfahren können, wer da wofür zuständig ist, entschuldigt, dem gehört mindestens gründlich der Kopf gewaschen. (Es hilft übrigens auch nichts, engagierte Studenten als „unscheinbar“ zu bezeichnen…)
Aktion und Protest müssen organisiert sein, eine starre Haltung mit nicht erfüllbaren und somit unkonstruktiven Forderungen bringen da gar nichts. Fortschritte des Arbeitskreises sollen übrigens hier zu verfolgen sein. Schaumermal.