Scharfer Start

Morgen beginnt für den 1. FC Magdeburg der Pflichtspielalltag der neuen Saison. Statt zum Auftakt wie im Spielplan vorgesehen den Regionalligakonkourrenten FSV Zwickau zu empfangen, wird morgen allerdings der FC Energie Cottbus zu Gast sein – in der ersten Runde des DFB-Pokals. Ein unglückliches Los, das den Elbestädtern da beschert wurde, denn Cottbus ist nicht eben ein Zuschauermagnet, dazu ist der Verein, obwohl Zweitligist, dem Magdeburger Publikum einfach zu unbedeutend. Diese relative Bedeutungslosigkeit verringert die Chancen des Ausscheidens allerdings nicht, so dass man sich höchstwahrscheinlich mit einem Erstrundenaus vor vielleicht 14.000 Zuschauern anfreunden müssen wird.

Zwar bestehen auch gegen höherklassige Mannschaften immer Chancen auf große und kleine Wunder, allein, ich halte es für hochgradig unwahrscheinlich, dass Energie den Club unterschätzen wird, da sie schließlich in den letzten beiden Jahren jeweils in Runde eins rausflogen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Cottbus-Trainer Rudi Bommer bei der Pressekonferenz vor dem Spiel mehrfach äußerte seine Mannschaft spiele „vier Klassen“ höher…

Letztlich ist der DFB-Pokal ja auch nur eine Zugabe für diese Saison, auch wenn unter den Fans das nicht ganz ernstgemeinte Ziel Tiflis 2015 kursiert,1 wichtiger sind Liga und Landespokal.

In der Liga heißt das Saisonziel offiziell sich etablieren, also mindestens die Platzierung des Vorjahres wiederholen. Ich persönlich halte das für unsinnige Tiefstapelei, die mir andererseits in Anbetracht der Ergebnisse der Vorbereitung und des dort gezeigten Fußballs schon wieder angebracht erscheint. In meinen Augen hat die Mannschaft durchaus das Potenzial, deutlich besser abzuschneiden als Platz 6, wird aber durch mir nicht erklärliche taktische Entscheidungen, die von Aufstellung bis zur Spielweise reichen, daran gehindert, dieses Potenzial voll auszureizen.

Wie schon in der Vorsaison war in den wenigsten Testspielen der Wille zum Pressing erkennbar und bis auf das Spiel gegen Hamburg konnten einigermaßen gleichwertige Gegner auch nicht kontrolliert werden. So gingen diese Spiele auch allesamt verloren, egal ob der Gegner Viktoria Köln, Hamburger SV II oder BFC Dynamo hieß. Gewonnen wurde dagegen die Auswärtspartie gegen Rot-Weiß Erfurt, wobei hier aber anzumerken ist, dass beiden Seiten nach dem Spiel nicht wirklich klar zu sein schien, was da passiert war. Fakt ist, dass es nach wie vor an einer kontrollierenden Hand im Offensivspiel mangelt. Lars Fuchs, dem diese Rolle wohl am ehesten zuzutrauen wäre, ist unglücklicherweise nach eigenen Aussagen noch nicht fit, wird also die ersten Partien des Jahres wohl eher von der Bank aus sehen als in der Startformation.

Mit Blick auf die weiterhin existierenden spielerischen Schwächen kann sich der FCM die anstehende Ligasaison weitgehend schenken – für den Abstieg dürfte die Mannschaft zu gut besetzt sein, für den Aufstieg, etwas ketzerisch formuliert, ist sie zu schlecht trainiert. Anders sieht es im Landespokal aus, den zu gewinnen sich der Club nicht als Ziel zu setzen braucht – das ist als Pokalmannschaft eh Pflicht.

Neben dem DFB-Pokal-Spiel der Herren am Sonnabend findet am Sonntag noch das DFB-Pokal-Spiel der U19 statt. Unglücklicherweise, möchte man sagen, ist doch die U19 an diesem Wochenende beim PSV Eindhoven eingeladen, der die Jubiläen seiner Europapokaltitel feiert und zu diesem Zweck die U19-Teams der Mannschaften eingeladen hat, gegen die damals gespielt wurde. Darunter sind neben dem Club von der Elbe auch Größen wie Real Madrid, der FC Barcelona und Galatasaray, aber auch die befreundete Eintracht aus Braunschweig. Da Wacker Burghausen, Gegner des Clubs im DFB-Pokal nicht zu einer Verlegung bereit war,2 wird die U19 nun schon am Sonnabendabend aus Eindhoven abreisen und so das Gruppenspiel gegen den FC Barcelona und die Platzierungsrunde verpassen. Schade eigentlich.

  1. in Tiflis findet 2015 der UEFA Supercup statt, bei dem der Sieger des UEFA Cups 2014/15 gegen Gewinner der Champions League 2014/15 antritt. Der DFB-Pokal-Sieger (oder Finalist) 2013/14 qualifiziert sich für die Europa League der folgenden Saison []
  2. Fairerweise muss man anmerken, dass Burghausen schon in der nächsten Woche in den Ligabetrieb startet, nicht erst Ende August wie der Club. []