Das Ende der Winterpause

In der Bundesliga ist die Winterpause schon beendet und der erste Spieltag bescherte dem geneigten Zuschauer denn auch die ein oder andere spektakuläre Partie. Leider ließen sich meine Gladbacher nicht von der Torfreude der Dortmunder, Schalker oder Hannoveraner anstecken, glücklicherweise aber auch nicht von dem Abwehrchaos der Schalker und Hannoveraner. Dafür durfte Champions-League-Aspirant Tim Wiese als Gladbachs Gegner zum ersten Mal in dieser Saison ohne Gegentor bleiben. Nunja.

Freunde der Regionalliga Nordost müssen sich noch etwas gedulden bis es wieder losgeht, denn der erste Rückrundenspieltag ist erst für das zweite Februarwochenende angesetzt. Da der 1. FC Magdeburg aber schon das Ende seiner Transferaktivitäten verkündet hat – und weil ich schon länger nichts mehr geschrieben habe – hier nun ein Ausblick auf den Rest der Saison 2012–13. Ich schreibe bewusst nicht „Rückrunde“, da auch noch das letzte Spiel der Hinrunde auszutragen ist und es außerdem ja noch den Landespokal gibt.

Der Club startete gut in die Saison, blieb bis zum 7. Spieltag ohne Niederlage und so dicht dran am Ligakrösus aus Österreich Leipzig, leistete sich dann aber eine Schwächeperiode und gewann nur noch zwei der letzten sieben Saisonspiele. Die Partie des 15. Spieltags in Zwickau wurde wegen des Wintereinbruchs abgesagt und ist noch nicht wieder angesetzt.

Problematischer als die Schwächephase ist allerdings, dass der FCM auch 2012–13 an derselben Schwäche laboriert, an der das Spiel seit Jahren krankt: Es fehlt schlicht und einfach ein Gestalter im Mittelfeld. Dort agierte zumeist der Ex-Profi Marco Kurth, entweder im Verbund mit Fabian Burdenski oder Benjamin Boltze. Leider ist keiner der drei Spieler ein klassischer Spielmacher. Kurth ist über seine Karriere gesehen immer eher der Zerstörer gewesen, Boltze hat zwar das Potential gestalterisch tätig zu werden, kann sich aber nicht gegen Kurth durchsetzen und bekommt dementsprechend wenig Bälle. Zudem hat er zwar alle Partien bestritten, kommt aber dennoch nur auf 833 Spielminuten (von 1260 möglichen). Wo Boltze unter seinen Möglichkeiten spielt, ist Burdenski überfordert. Auch er kam in jedem Spiel zum Einsatz, insgesamt spielte er aber nur 657 Minuten. Zum Glück, möchte ich sagen, war doch nahezu jeder Einsatz gespickt von haarsträubenden Fehlpässen, Ballverlusten und ähnlichem, die gegen konsequentere Gegnerschaft zu noch mehr Punktverlusten geführt hätten.

Mit Blick auf die Schwäche im zentralen Mittelfeld ist die Schwäche in der Offensive auch zu erklären. Offensiv gefährlich wurde der FCM in der Hinrunde nur, wenn über die Flügel gespielt wurde, möglichst ohne Einbeziehung des zentralen Mittelfelds. Denn Kurth ist nicht nur eigentlich ein Zerstörer, er hat auch Schwierigkeiten seine Pässe in ihrer Geschwindigkeit zu justieren, was ihre Verarbeitung erschwert und ihre Präzision einschränkt. Dass der FCM bei 8 mickrigen Stürmertoren steht ist sicher auch mit einem Qualitätsproblem bei den Stürmern zu erklären, aber eben auch über die Unterversorgung mit den berüchtigten „tödlichen Pässen“.
Klar, im Ligavergleich steht der FCM gar nicht so schlecht da, mit insgesamt 19 Treffern hat man nur drei Mannschaften vor sich, die 35, 21 oder 21 Tore erzielt haben, aber dennoch kann und muss man sich dort verbessern, wenn man das Ziel hat, diese Spielklasse irgendwann in näherer Zukunft zu verlassen. Wann genau man das plant, ist zwar unklar, da die Verantwortlichen sich immer wieder gern mit „kurzfristig denken wir nicht an den Aufstieg“ oder ähnlichem zitieren lassen. Dass die vierte Spielklasse aber nicht auf immer und ewig Heimstatt eines dreifachen DDR-Meisters und siebenfachen Pokalsiegers sein kann, sollte klar sein.

Interessanterweise hat die Abwehr des Club genauso viele Tore erzielt wie der Sturm und das sollte zu denken geben. Unglücklicherweise hat besagte Abwehr aber auch 16 Gegentore zugelassen, die Mehrzahl nach der ersten Niederlage am 7. Spieltag. Allein gegen die beiden Leipziger Teams kassierten die Elbestädter 7 Stück. Die Innenverteidigung wurde einmal umgebaut, Schiller ersetzte Hackenberg, und ab diesem Moment ging es los mit den Gegentoren. Dies jetzt an Schiller festzumachen ist aber Unsinn, da zeitgleich der Spielstil der Mannschaft sich änderte und die nun offensivere Ausrichtung auf Kosten der defensiven Stabilität ging. Gleichzeitig fiel auch noch Linksverteidiger Neumann aus, so dass auf der Seite auch noch experimentiert werden musste.
Im Spiel der Abwehr allerdings gibt es durchaus noch Verbesserungspotential. Die ursprüngliche Innenverteidigung Hackenberg-Friebertshäuser glänzte nämlich nicht eben mit fußballerischer Klasse und war stets für den ein oder anderen Klops gut, was sich bei Friebertshäuser auch nach dem Personalwechsel weiter durchzog. In gewisser Weise kompensiert der aus Neindorf bei Oschersleben stammende Abwehrmann seine Schwäche natürlich dadurch, dass er bei Standards immer mal für ein Tor gut ist, insgesamt hat er in dieser Ligasaison schon vier Stück erzielt. Inwieweit das allerdings durch seine in jedem Spiel mehr oder weniger starken Aussetzer kompensiert wird, ist aber fraglich. Schiller, sein Partner in der Innenverteidigung hat auch schon drei Treffer erzielt, hatte dafür aber sieben Spiele weniger Zeit. Auch im Aufbauspiel und in der Verteidigung wirkt Schiller für meine Begriffe ruhiger und abgeklärter als Friebertshäuser, der wohl auch an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gerät, wenngleich in wesentlich geringerem Maße als Burdenski im Mittelfeld.
In der Außenverteidigung machte besonders der junge Butzen auf rechts eine sehr gute Figur, der nicht nur defensiv souverän agiert (klar hat er auch mal Wackler drin, aber er ist ja auch erst 19), sondern auch im Spiel nach vorn mit Übersicht und Präzision glänzt. Außerdem versteht er sich mit Viteritti fast blind, dem Talent im Mittelfeld, das noch etwas konstanter werden sollte. Links fing Reinhard die Saison an, wurde aber nach dem zweiten Spieltag ins Mittelfeld beordert und in der Abwehr durch Neumann ersetzt. Der machte das wie gewohnt defensiv ordentlich, sollte sich nur offensiv noch steigern. Unter anderem wegen Neumanns offensiv etwas schwächerer Leistung war das Spiel zu diesem Zeitpunkt oft rechtslastig. Nach Neumanns Verletzung durfte Reinhard wieder vier Spieltage den Linksverteidiger geben, obwohl er dort die ihm eigene technische Gewandtheit nicht so nutzen kann und dementsprechend schwächer wirkte als bei seinen Auftritten im Mittelfeld. In den letzten vier Spielen brachte Trainer Petersen dann Jungspund Blume, der die Aufgabe auch ordentlich löste, wenngleich nicht auf dem Niveau seines Altersgefährten Butzen auf der rechten Abwehrseite.

Mit der Winterpause brachen dann auch wieder die üblichen Spekulationen los, wer denn alles zum Club kommen könnte und wer den Verein verlässt. In diesem Jahr hielten sich die Gerüchte allerdings in Grenzen, zu oft hatten die Verantwortlichen betont, dass die Kasse leer und der Kader voll sei. Dennoch gab es drei Veränderungen im Spielerkader. Patrick Podrygala, wie Trainer Petersen zu Saisonbeginn aus Halberstadt gekommen, verließ Magdeburg in Richtung BFC Dynamo. Podrygala hatte allerdings nur einen Einsatz für die erste Mannschaft und den auch noch im Landespokal, so dass man kaum von einem substantiellen Verlust sprechen kann. Vor Weihnachten gab der Verein dann die Verpflichtung des Ex-Halberstädters Christian Beck bekannt. Der hatte sich gegen Ende der letzten Saison mit seinem Arbeitgeber überworfen, wollte im Sommer wechseln, fand aber keinen Verein, der die fällige Ablöse nach Halberstadt überweisen wollte. Nach einem halben Jahr ohne Wettkampfpraxis soll er nun die Qualität im Sturm erhöhen. Immerhin hat Beck in der Vorsaison 15 Treffer für Halberstadt erzielt. Aber auch ein Dawid Krieger hatte in der Saison vor seinem Wechsel an die Elbe in 34 Regionalligapartien 11 Treffer erzielt. In Magdeburg sind es bislang 9. In 44 Spielen. Im Fußball ist eben nichts so alt wie die Statistik der Vorsaison, und so wird man abwarten müssen, wie erfolgreich Beck in Blau-Weiß ist. Neben Beck verpflichtete der FCM auch noch Telmo Teixeira-Rebelo vom Halleschen FC. Ausgerechnet in der Saalestadt bedient man sich, wird mancher Fan denken, doch auch Boltze (und sogar Beck) haben dort schon gespielt und Boltze hat bisher nicht den Eindruck gemacht, ein Maulwurf zu sein. Zu Teixeira weiter unten noch mehr, denn zunächst gibt es noch zwei weitere „Neuzugänge“: Kevin Nennhuber und Patrick Bärje. Bärje kam im letzten Winter vom damaligen Ligakonkurrenten Wilhelmshaven, fiel aber seit Februar 2012 mit Knieproblemen aus und hat sich jetzt wieder fit gemeldet. Nennhuber war für die Innenverteidigung im Sommer verpflichtet worden, musste sich dann aber einer OP an der Wirbelsäule unterziehen und wurde ebenfalls erst jetzt wieder fit.

Der FCM steht jetzt also vor einem Luxusproblem, denn mit Hackenberg, Friebertshäuser, Schiller, Nennhuber und Blume, der da auch spielen kann, stehen ganze fünf Innenverteidiger im Kader der ersten Mannschaft. Da wird in der Vorbereitung hart gearbeitet werden müssen um einen Platz zu sichern. In den ersten Freilufttests gegen Goslar und Sangerhausen begann jeweils die Kombination Schiller-Nennhuber, gegen Goslar hieß es in Halbzeit zwei dann Friebertshäuser-Blume, gegen Sangerhausen Nennhuber-Friebertshäuser. In Sangerhausen schoss Nennhuber zu allem Überfluss auch noch drei Tore, und in beiden Partien kassierte die erste Innenverteidigung je ein Tor, die zweite keins. Da wird die Auswahl schwer, aber noch steht das Trainingslager bevor, in dem ja weitere Tests geplant sind (u.a. gegen den Vizemeister Kasachstans). Dennoch glaube ich fast, schon jetzt die Innenverteidigung Nennhuber-Schiller als wahrscheinlichste Variante ausmachen zu können, so dass fünf der elf Positionen im Team vergeben sein sollten: Tischer im Tor, der im wesentlichen untadelig gehalten hat, der wieder fitte Neumann auf links, die vorgenannte Innenverteidigung und Butzen auf rechts.

Im Mittelfeld wird es nun allerdings interessant. Für die vier oder fünf Positionen ergeben sich mit der Verpflichtung von Teixeira, der tatsächlich so etwas wie Spielmacher spielen kann – nicht muss – interessante Möglichkeiten. Gehen wir mal von einem Mittelfeld mit vier Spielern aus, da Trainer Petersen in den beiden Freilufttests eben auch ein 4-4-2 hat spielen lassen. Dann wären da drei grundsätzliche Möglichkeiten: die flache Vier mit zwei außen, z.B. links und Sowislo rechts, und zwei zentralen Spielern; die klassische Raute mit denselben außen, einem klaren Offensiven und einem Defensiven; oder in einer 3-1-Formation (also als Teil eines 4-1-3-2, in der der Offensive auf einer Höhe mit den Außenspielern agiert. Aus den bisherigen Freilufttests lässt sich noch nicht ablesen, wohin die Tendenz geht, da die Tests vor bzw. erst kurz nach Teixeiras Wechsel stattfanden. Genaueres wird sich hier wohl erst im Trainingslager ergeben.

Ein grundsätzliches Problem ist aber allen taktischen Überlegungen gemeinsam. Sie alle brauchen technisch versierte Spieler, denn im dichten Mittelfeld ist es enorm wichtig, dass Pässe präzise und dosiert gespielt werden, und zwar von Spielern, die einen Überblick über das Geschehen haben. Hier hat so mancher Clubspieler Probleme. Kurth hat zum Beispiel einigermaßen Übersicht, hat aber bei Dosierung und Präzision Defizite, genauso wie beim Tempo, das bei ihm oft zu niedrig ist. Burdenski scheint mir mit der Rolle im Mittelfeld völlig überfordert, ihm fehlt es an Übersicht und technischer Versiertheit, eine unglückliche Kombination, die stets in Hektik und oft im Ballverlust endet. Boltze hat Überblick und kann präzise passen, wenngleich nicht immer. Teixeira aufgrund seiner Leistungen in Halle zu beurteilen wäre falsch, da zu selten live gesehen. Viteritti braucht mehr Ruhe am Ball, besitzt aber Überblick und an sich auch gute Technik, genauso wie Moslehe, dem es allerdings am Überblick mangelt. Überblick soll auch Bärje besitzen, zeigen konnte er es verletzungsbedingt noch nicht. Sowislo hat mich noch nicht überzeugt, Reinhard hingegen hat alle Voraussetzungen, die für präzises Passspiel notwendig sind. Anhand dieser Auflistung zeigt sich, dass zwar numerisch genug Spieler zur Verfügung stehen, es aber unter Berücksichtigung ihrer Talente schwieriger ist, das Mittelfeld zu besetzen.
Da Petersen sehr an Kurth hängt, wird der seinen Platz wohl kaum hergeben müssen. Auch Burdenski hat beim Trainer einen Stein im Brett, was für mich völlig unverständlich ist, aber mit der Teixeira-Verpflichtung wird es für ihn sicherlich nicht leichter werden. Viteritti muss sich wohl auch weniger Sorgen um seinen Platz machen, zumal er im Mittelfeld überall eingesetzt werden kann, während sich Moslehe auf rechts wohl hinten anstellen muss. Ich rechne mit einer Formation mit Viteritti, Bärje, Kurth und Teixeira, sofern der sich im Trainingslager gut integrieren lässt. Reinhard für Viteritti und Moslehe für Bärje wären meine Alternativen, dazu noch Boltze für Kurth, sollte der mal wieder ausfallen oder gesperrt sein (seine Sperre nach der 5. Gelben hat er aber bereits abgesessen). Viteritti könnte auch Teixeira vertreten, so dass dann Reinhard auf links zum Zuge kommen könnte.

Im Sturm dagegen sollte nach den ersten Tests klar sein, dass die erste Wahl Beil und Beck sein werden, Krieger und Harrer dahinter. Beck und Beil harmonierten bislang sehr gut, so dass bei ausreichender Fitness im Februar nichts gegen dieses Anfangsduo spricht.

Was in der Winterpause dringend verbessert werden sollte, ist das Spiel aus der Abwehr nach vorn. Zu oft bildet sich dort ein Dreieck mit zwei Innenverteidigern und einem defensiven Mittelfeldspieler, in dem der Ball rotiert ohne dass Zug zum gegnerischen Tor und somit Druck auf den Gegner entsteht. Die Gefährlichkeit des zentralen Mittelfelds sollte sich theoretisch mit Teixeira quasi von alleine erhöhen, wenn er denn richtig eingebunden wird. So bleibt dann nur ein dritter und letzter Punkt: Pressing. In der Hinrunde hat die Mannschaft von Andreas Petersen immer hinter der Mittellinie auf des Gegners Attacken gewartet, ohne den Ballführenden vorher in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen. Das geht im modernen Fußball nicht, und auch nicht im modernen Viertligafußball. Folgerichtig sollte das im Trainingslager eingeübt werden, damit man auch defensive Gegner, die sich lange Zeit lassen mit dem Spielaufbau, früher und stärker unter Druck zu setzen und mit überraschenden Ballgewinnen Konterangriffe einzuleiten.

Gelingt es, die Neuen zu integrieren und das Spiel insgesamt zu verbessern, sollte eine Punktausbeute nahe der 30 für den FCM machbar sein, so dass man am Ende auf etwa 50 Punkte käme.
Wichtiger als die Platzierung in der Liga ist jedoch der Sieg im Landespokal. Hier war das Losglück auf Seiten der Elbestädter, die beim Landesligisten (7. Spielklasse) Elster antreten müssen. Erzrivale Hallescher FC muss dagegen zum Regionalligisten Halberstadt. Die Partie findet Ende März statt, so dass der Club bis dahin auch schon wieder eingespielt sein kann, trotz Integration von bis zu vier neuen Spielern.