Monatsarchiv: November 2009

Der Hauptstadtvertrag

In der heutigen Volksstimme findet sich ein Bericht über ein Informationspapier der Stadt Magdeburg in der der Fortschritt in Sachen Hauptstadtvertrag mit dem Land Sachsen-Anhalt behandelt wird. Es gibt keinen Fortschritt, sagt die Drucksache. Außerdem enthält sie Betrachtungen zu Hauptstadtverträgen in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Letztlich endet das Papier mit der Feststellung, die Arbeitsgruppe Hauptstadtvertrag werde weiterhin bestehen bleiben.

Wieso die Autorin des Volksstimmebeitrags ihren Artikel mit der polemischen Bemerkung „Mag sein, sie zeitigt in weiteren zwei Jahren nicht mehr als ein weiteres inhaltsarmes Informationspapier.“ schließt, wird wohl nur sie selbst wissen. Jeder, der sich mit dem Land Sachsen-Anhalt und dem Verhältnis zwischen Landesregierung und Landeshauptstadt beschäftigt, wird ahnen, wieso es hier keine Fortschritte gibt. Die Stadt Magdeburg kann den Hauptstadtvertrag schließlich schlecht mit sich selbst abschließen – und eben da liegt der Hase im Pfeffer. Die Thematik Hauptstadtvertrag spielt augenscheinlich nur bei der Landtagsfraktion der Linken und allgemein auf Seiten Magdeburger Abgeordneter oder Magdeburger Kreisverbände der im Landtag vertretenen Parteien eine Rolle. Statt sich also mit einer Spitze zu verabschieden, hätte es dem Artikel gut getan, hier einmal die andere Seite der Medaille, also die Haltung des Landes zu beleuchten. Stattdessen kommt das Land Sachsen-Anhalt lediglich im ersten Absatz vor, als Teil einer Hypothese.

Gefahren, nicht mehr existente und auch neue

In einem Beitrag auf TheTruthAboutCars.com las ich heute folgendes: „In 1927, dancer and choreographer Isadora Duncan jumped into a friend’s Bugatti. As the driver began their destined-to-short journey, Duncan’s flowing scarf tangled in the car’s open-spoke rear wheel. It pulled taut, snapping her neck.“

Drahtspeichenräder sind nun bei Automobilen nicht mehr en vogue, und auch manche andere früher relativ häugige Todesursache ist passé, um bei Modebegrifflichkeiten zu bleiben. Wann hat man denn zum letzten Mal gelesen, dass ein Arbeiter von einem gerissenen Transmissionsriemen getötet wurde, was wegen schlechter Wartung noch Anfang des 20. Jahrhunderts oft vorkam? Auch die Variante „zerquetscht beim Zusammenkuppeln von Eisenbahnwaggons“ hat Gottseidank weniger Opfer gefunden als im 19. Jahrhundert, als die Technik noch neu war.

Auf diese Art, durch den Fortschritt, wurden mehrere Gefahren beseitigt, allerdings wohl auch durchaus neue Gefahren geschaffen. Da gibt es die Geschichte eines Wohnmobilfahrers, der den Begriff „Cruise Control“ angeblich falsch interpretiert hätte und in einer Kurve einen Unfall baute – während er im Wohnbereich Kaffee kochte. Die Geschichte ist, sagt Snopes.com, nur eine Urban Legend, aber der Gedanke zählt. Erweitern wir kurz die Story auf allgemeine Technikgläubigkeit und wenden uns dem Fall eines Dänen zu, der sich vermutlich mit dem Gedanken „das Ding wird wissen, was es tut“ entschloss, der Anweisung seines Navigationsgeräts zu folgen und zu wenden – auf dem Beschleunigungsstreifen der B200. Ein schwerer Unfall war die Folge, jedoch zum Glück ohne Todesopfer.

Auch die Einführung des elektrischen Stroms hat dem Sensenmann viel Arbeit gemacht, kommt es doch immer mal wieder vor, dass jemand der Anziehungskraft eines Stromunfalls nicht widerstehen kann. Ähnliche Wirkung wird der Einführung des Automobilverkehrs – auch ohne Drahtspeichenräder – und der Eisenbahn zugeschrieben. Das Flugwesen dagegen scheint zunächst, glaubt man dem Russen Michail Sostschenko, eher für das Viehzeuch problematisch gewesen sein.

So schafft sich jede Ära ihre neuen Todesursachen. Man darf gespannt sein, wie sich das entwickelt – nur eines ist klar: „Es entwickelt sich, Genossen Bauern!“