Rudolf II. von Sachsen-Anhalt

Die Archäologen in Sachsen-Anhalt haben offenbar gerade eine Glückssträhne. Nicht nur, dass man Editha fand1, nein, auch in der Lutherstadt Wittenberg wurden die Jungs von Harald Meller nun2 fündig.

Dort nämlich fanden Archäologen die sterblichen Überreste von Rudolf II., seiner Frau und seiner Tochter, beide übrigens Elisabeth benamst. Der Kurfürst war 1370 in Wittenberg beigesetzt worden, nun wurde in der ehemaligen Kirche des ehemaligen Franziskaner-Klosters in Wittenberg die Gruft mit seinen sterblichen Überresten entdeckt. Blöderweise waren die aber nicht in Bleisärgen, und so musste der Fund tatsächlich vor Ort präsentiert werden. Eine Zumutung für ein gewisses Landesamt sollte man annehmen, nach dem Verhalten beim Editha-Fund. Man gräbt dort übrigens, weil auf dem Gelände ein Gebäude für Tagungen etc. erbaut werden soll. Nun aber hat der Wirtschaftsminister des Landes, Dr. Reiner Haseloff, erstmal zugesichert, das „Vorhaben, die Grabstätte wiederherzustellen und zugänglich zu machen, umfassend finanziell unterstützen“ (Volksstimme). Weiter wird der Minister gleich mit der Einschätzung des Fundes zitiert: „Das Grab ist einer der spektakulärsten archäologischen Funde der vergangenen Jahre in Sachsen-Anhalt.“ (Mitteldeutsche Zeitung) Offenbar ist man als Dr. rer. nat., der über die „Entwicklung von Meßgeräten auf der Basis der linearen Laser-Absorptionsspektrometrie zur empfindlichen Molekülgas-Konzentrationsmessung unter dem Aspekt des Einsatzes in der Umweltkontrolle“ promoviert hat, auch berufen, Einschätzungen zur Wichtigkeit archäologischer Funde zu treffen. Nunja. Auch der Ministerpräsident unterstützt die Präsentation des Fundes in Wittenberg. Und noch ein Zitat des Wirtschaftsministers: „Wir wollen dort einen Informationspunkt zur Landesgeschichte einrichten“. Wie die MZ weiter schreibt, solle der „ähnlich der Arche Nebra“ sein, denn „mit Rudolf II. habe schließlich die politische Geschichte Sachsen-Anhalts begonnen.“ (MZ)

Hatte ich eigentlich erwähnt, dass der Ministerpräsident in Wittenberg wohnt, und der Wirtschaftsminister bei Wittenberg geboren wurde? Hatte ich erwähnt, dass der Antrag der Stadt Magdeburg, ein geplantes Mittelalterzentrum mit 160.000 Euro zu unterstützen, abgelehnt wurde?

Und was die Geschichte Sachsen-Anhalts angeht, insbesondere die politische, so glaube ich doch, dass der Herr Minister auch hier mal auf Dieter Nuhr hören könnte: Wenn man keine Ahnung hat…
Das Land Sachsen-Anhalt als einheitliche politische Entität gibt es erst nach 1946. Insofern kann ja nur politische Geschichte gemeint sein, die auf dem Territorium des heutigen Sachsen-Anhalt stattgefunden hat. Allerdings begann diese politische Geschichte nun wahrhaftig nicht mit dem Kurfürsten Rudolf II. Vorher gab es hier schon Kaiser und Könige, Bischöfe und Erzbischöfe. Zu behaupten, diese hätten keinerlei politische Geschichte fabriziert, ist eine Dummheit ohnegleichen.

Mit diesem Auftreten wird wieder einmal die Frage aufgeworfen, ob Mitglieder der Landesregierung, inklusive des Ministerpräsidenten, tatsächlich ein Land vertreten, oder ob es sich hier lediglich um lokalpatriotische Lobbyisten handelt, die ihren Wohn- und Heimatorten möglichst viele Vorteile zuschanzen wollen.

  1. ich schrieb bereits über das Kidnapping []
  2. Dies ist ein Bild-Zeitungs-nun, das war nämlich schon letzte Woche. []

2 Reaktionen auf Rudolf II. von Sachsen-Anhalt

  1. Landesamt (Fake)

    Genau, „wenn man keine Ahnung hat..“ – das sollte vielleicht auch für Blogger gelten. Auch der gute Rudolf nebst Frau und Tochter wurden nämlich en bloc nach Halle speditiert. Auch hier wiederum aus konservatorischen Gründen.
    Kann es übrigens sein, das „madcynic“ aus Magdeburg stammt? Da könnte man nämlich ebenfalls eine gewisse Einseitigkeit aus den Worten herauslesen…
    Ich verstehe die ganze Aufregeung sowieso nicht: da wird von seiten eines Magdeburger Museumsleiters ein „Skandälchen“ angezettelt (um seine kommenden Gehaltsverhandlungen bzw. Wegbewerbungen zu befördern), die Presse springt hübsch dressiert darauf an und der gute Mann steht jetzt als „Retter Magdeburgs“ da und kann das Bleikistchen jetzt zeitlich völlig unpassend in seiner Gotik-Schau zeigen (aber das passt ja zu seinen bisherigen planlosen Ausstellungen).
    Wie unaufgeregt ein Umgang mit einem derartigen Fund aber auch vonstatten gehen kann, zeigt sich dagegen in Wittenberg. Liegts an Magdeburg?

  2. Och, wenn mir neben der Rückkehr des Fundes noch Förderung des Landes zugesichert wird, um ihn ordentlich präsentieren zu können, würde ich auch einen „unaufgeregten“ Umgang mit dem Fund an den Tag legen.

    Zu den meiner Meinung nach völlig unpassenden Bemerkungen zum Leiter des Magdeburger Museums sage ich jetzt nichts – aber Europaratsausstellungen als „planlos“ zu bezeichnen…naja.

    Im übrigen – und das zeigt, dass auch der Kommentator (der es übrigens nicht nötig hat, funktionierende Web- oder Mailadressen anzugeben, daher der Zusatz „Fake“ – von mir) die Problematik nicht verstanden hat. Es geht um den Abtransport von Funden nach Halle ohne vorherige Information der Presse. Und bei Rudolf II. geht es mir um die eilfertige Art, in der von der Politik Zusagen gemacht werden.