Monatsarchiv: Juli 2008

Feststellungen

Wenn man im Rahmen eines Kneipengesprächs über Länder spricht, die mit ND aufhören, mit IS anfangen und irgendwo in der Mitte ein LA haben, ist es nur ein kurzer Schritt zur Feststellung, der Titel des Europameisters im Fußball berechtige zur Einführung eines LA im Landesnamen.
Daher heißt es ja auch Russland, Niederlande, Spalalanien, Italalien, Tschelachien, Franklalareich, Dänelamark…und Deutschlalaland. Wobei es ja eigentlich Sowjetlaunion heißen müsste, aber da das keiner aussprechen konnte, hat sich der Staat bekanntlich aufgelöst.

Des Cynics Wörterbuch, Teil VII

Heute geht es um ein Problem der schriftlichen Repräsentation gesprochener Sprache.
Es handelt sich um das Wörtchen eben. Das hochdeutsche „eben“ lässt sich noch einfach per Duden darstellen. Aber die Art, in der ich und andere es aussprechen wird’s schwieriger. Für alle verwirrten:

em, IPA [e:m], s. eben.

Meaningless friendly™

On Saturday, Magdeburg suffered a 2-4 defeat at the hands of what can be called an A2-Team of Hertha BSC. Overall, it was an even match, only at the end did Magdeburg not pay enough attention in defense, and thus Hertha scored 2 goals in the last 5 minutes of the match.
An audience of 6,277 was well entertained though, and large parts of the match created some hope for the coming season. Still three weeks to go till the start of the new season. Magdeburg will face Hanover 96’s reserve team in Hanover.

Auf oder in?

„Der Opa sitzt im weichen Stuhl“
Warum der Witz funktioniert, ist klar – man sitzt eben nicht in Stühlen. Wir sitzen auf dem Stuhl, auf dem Tisch, auf dem Boden, auf der Couch, auf dem Sofa…aber wehe, es ist kein Zweisitzer, sondern ein Einsitzer, denn dann ists ein Sessel – in dem man sitzt.
Komische Sprache, dieses Deutsch.

Lesefehler

Ich muss an meinem Selbstbild arbeiten. Wenn man bei der StudiVZ-Gruppe „Mathe ist ein Arschloch“ statt dem, was da steht, liest „Malte ist ein Arschloch“, dann kann da was nich stimmen…

Gelegentlich gefährliche Blumenwürfe

Gestern erbrachte ich den Großteil des Tages damit, an einem handbetriebenen Mikrofilmlesegerät zu sitzen – sehr wenig ergonomisch übrigens, Bildschirmunterkante auf Augenhöhe und und dann 20 Zentimeter nach oben, Genickstarre vorprogrammiert, und dass die Filmrolle antichronologisch aufgerollt war, half aucht nicht wirklich – und meinen Herrn Vater bei der Recherche zu unterstützen. Der schreibt nämlich grad an einer Zeitungsserie zum Thema „Die preußische Provinz Sachsen auf dem Weg ins Dritte Reich“. Anlass ist natürlich die „Machtergreifung“ der Nazis vor 75 Jahren. Aber darum geht es hier nur am Rande. Beim Studium der Zeitungen fiel mir auf, dass dort einige Wörter anders benutzt werden, als es heutzutage der Fall wäre.
Ein Beispiel ist das Wort „gelegentlich“. Gelegentlich benutzen wir heutzutage ja meist im Sinne von „wenn es mir passt“ oder „ab und zu“, wenn wir zum Beispiel sagen, „gelegentlich komme ich an der Ecke Reuter-Allee/Breiter Weg vorbei“ oder „ich komme dich gelegentlich besuchen“. In den Zeitungen fand ich jedoch lediglich die Verwendung im Sinne von „anlässlich“ oder schlicht „bei“. (Der Duden lässt im übrigen beide Möglichkeiten zu und scheint sich nicht ganz einig, welches die häufigere ist.)
Zum Beispiel meldet die Saale-Zeitung, ein deutschnationales Blatt, nicht zu verwechseln mit der Regionalzeitung aus der fränkischen Rhön, folgendes in ihrer Ausgabe vom Dienstag, 4. Juli 1933:

Der Adjutant des Reichskanzlers Adolf Hitler, Brückner, untersagt das Werfen von Blumen auf den Wagen des Führers gelegentlich der Fahrten und Aufmärsche.

Wie man sieht, heißt gelegentlich hier „anlässlich“. Aber das eigentlich interessante ist ja die Frage: Warum wird das Werfen von Blumen untersagt? Ist der Führer allergisch? Oder hat er einfach ob der schieren Menge an Blumen Atemnot? Fragen über Fragen, die die Zeitung nicht beantwortet. Schade eigentlich.

Eine andere Meldung, die auch in diesen Zeitraum fällt, aber nicht in der Saale-Zeitung, sondern in den Hallischen Nachrichten stand, lautet so:

Bezeichnung „Lutherstadt“ abgelehnt
Eisleben. Wie der Magistrat mitteilt, ist das Gesuch um Verleihung der Bezeichnung „Eisleben-Lutherstadt“ vom Preußischen Minister des Innern abgelehnt worden. Der Antrag war in der Hauptsache deswegen gestellt worden, um die vielen Fehlleitungen bei der Post, Bahn usw. zu vermeiden.

Tatsächlich heißt Eisleben erst seit dem 17.2.1946 „Lutherstadt“.

Update: Die Magdeburgische Zeitung vom 4. Juli (Haupt-Ausgabe) gibt bezüglich der Blumenwürfe weitere Aufklärung. Der Führer ist weder allergisch, noch leidet er unter Atemnot. Vielmehr hat man Angst um sein Augenlicht. Es heißt dort:

Keine Blumen werfen!
Mitteilung des Adjutanten des Reichskanzlers
Berlin, 3. Juli. Der Adjutant des Reichskanzlers, Brückner, teilt mit: Bei den letzten großen Aufmärschen und Fahrten haben die Zuschauer wieder ein Bombardement mit Blumen auf den Wagen des Führers eröffnet. Dieses Werfen mit Blumen ist mit Gefahren für die Wageninsassen verbunden, wie wiederholte Vorfälle gezeigt haben. So erhielt kürzlich einer der Begleiter durch einen mit voller Wucht geschleuderten, auf Draht gebundenen Blumenstrauß eine Gesichtsverletzung und hatte es nur einer rechtzeitigen Kopfwendung zu verdanken, daß nicht ein Auge gefährdet wurde. Das Werfen von Blumen auf den Führerwagen ist deshalb strikt untersagt.

P.S. Im Stadtarchiv Magdeburg gibt es Mikrofilmlesegeräte mit motorisierter Spuleinrichtung und Kopierfunktion. Ein Segen.

Studieren mit Behinderung(en)

Heute: Feueralarm.

Da dacht‘ ich heute morgen so bei mir, jetzt wo die Uni vorbei ist (lies: die vorlesungsfreie Zeit begonnen hat), wird’s hier wohl etwas dünn werden mit dem Material. Denkste, hätte ich bloß meine große geistige Klappe gehalten.
Heute wollte ich mir in der Bibliothek ein paar Bücher ausleihen, zum Zwecke des Verfassens einer Hausarbeit. Aber Pustekuchen. Kaum ist man an der Unibibliothek, fällt der Blick auf eine doch recht anschauliche Menschenmenge, die davor herum…nunja, ähm… -lungert. Schnell stellt sich heraus: es handelt sich um einen Feueralarm. Na Klasse.
Die Feuerwehr Magdeburg kommt dann auch, gefühlte 7 Minuten nach Alarmbeginn, und beginnt die Standardoperation. Ursache suchen, abstellen, wegfahren. Das stellt sich der Laie ganz einfach vor, aber irgendwie ist die Unibibo doch etwas größer und so dauert es. Zwischendurch merkt man die Fortschritte – denn kaum ist der Alarm mal kurz aus, geht er auch schon wieder an. Multikausalität? Ich weiß es nicht.
Nachdem ich dann schließlich geschlagen 45 Minuten draußen gewartet hatte, Überlegungen wie „Wenn jetzt die Anglistik abbrennt, bekomm‘ ich meinen 6-Punkte-Schein dann so?“ inklusive, gings doch wieder rein. Der Andrang hatte was von der Öffnung von Hamley’s am Morgen, nur ohne den ordnenden Portier.

Jedenfalls waren das wieder 45 Minuten meines Lebens, die ich gern wieder hätte…