Des Cynics Wörterbuch, Teil XII

8. Februar 2010 madcynic 4 Kommentare

Heute geht das Wörterbuch weiter mit einem Fachbegriff aus der englischen Sprache.
Weauxfing – Substantivierung. Weauxfing bezeichnet den Umstad, dass in jedem sportlichen Wettbewerb das Team, das am meisten von seinen Fans gehypt wird, unweigerlich eine Niederlage einstecken muss.

Gegenteil von Weauxfing ist das Anti-Weauxfing, das die Technik bezeichnet, die Chancen des eigenen Teams kleinzureden, in der Hoffnung, die Weauxfing-Götter zu beeinflussen. Diese Technik funktioniert jedoch nicht in jedem Fall.

Neben dem Weauxfing durch Fans scheint es allerdings auch einen Effekt beim Hypen durch Medien zu geben. Siehe die gefühlten 543 Artikel über Peyton Manning, den perfektesten Quarterback aller Zeiten, und die anschließende Niederlage durch Manning-Fehler im gestrigen Superbowl.

Weitere Informationen gibt es im The Oliver Woofing Theorem FAQ.

Textbausteine sind toll

6. Februar 2010 madcynic 2 Kommentare

Heute kam ein Brief meiner Krankenkasse. Ich sei ja als Student pflichtversichert, schreibt man mir, (richtig) und daher benötige man “zur Aktualisierung und Fortführung” der Versicherung eine “aktuelle Aufenthaltsgenehmigung/Duldung” (falsch).

Schon blöd, wenn man sich beim Zusammenstellen des Schreibens verklickt. Aber ja, ich schick meiner Versicherung dann eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung zu.

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Warum ich Kisch lese

2. Februar 2010 madcynic 4 Kommentare

Schon immer haben mich Journalisten fasziniert. Damit meine ich jetzt nicht solche, die täglich die Seiten der Zeitungen dieser Welt mit Belanglosigkeiten füllen, sondern solche, die im Night Court sitzen und denen Merkwürdigkeiten auffallen, als fünf Männer dem Haftrichter vorgeführt werden. Solche, die es unverantwortlich finden, Menschen aus dem Militär wegen angeblicher Sicherheitsgefährdung zu entfernen und generell Angriffe gegen die Gewissensfreiheit verurteilen.

Nun ist Kisch auch ein Journalist gewesen. Einer, der in wahrlich interessanten Zeiten gelebt hat – wobei ich nicht glaube, dass er es im Sinne des chinesischen Fluchs aufgefasst hat. Kisch ist in Prag geboren, Sohn einer sephardischen, deutschsprachigen Familie. Da wird es schon interessant, denn Prag, von dem er viel erzählt, ist seinerzeit eine effektiv zweisprachige Stadt, mit Deutschen und Tschechen und den im erwachenden Nationalismus begründeten Konflikten. Da liegt für mich auch das erste Faszinosum, denn Kisch beschreibt eben ein Prag, das es nicht mehr gibt, mit seinem starken deutschen Einfluss – wer in Prag mal in einem Antiquariat war, bekommt noch einen guten Eindruck davon, wie stark der deutschsprachige Anteil der Buchleser war, es gibt Unmengen an deutschsprachiger Literatur.
Interessant bei Kisch ist auch die klare Parteinahme für die Armen und Kriminellen in seiner Zeit. Dies umso erstaunlicher, da die Familie Kisch dem Vernehmen nach nicht eben schlecht gestellt war, so dass alle Voraussetzungen zu einem Leben jenseits der Beschäftigung mit Armut, Obdachlosenasylen und Irrenhäusern gelegt waren.
Kisch schrieb in Prag für mehrere Zeitungen, dem Prager Tagblatt und der Bohemia, und zwar als Lokalreporter. Seine Artikel haben einen hochinteressanten Stil, eine “gute Schreibe”, der mit viel Augenzwinkern gespickt ist – mitunter vielleicht für den heutigen Leser zu viel. In diesen frühen Artikeln, die Kisch später umgearbeitet und in Buchform veröffentlichte, ist noch nicht viel von einer politischen Gesinnung per se zu finden, aber seine soziale Gesinnung wird offenbar, zum Beispiel in dem er viele kriminelle Machenschaften durch die Lebensumstände des Täters erklärt und nicht von einer naturgegebenen Bösartigkeit ausgeht.

Im 1. Weltkrieg ist Kisch in Serbien stationiert, wird verwundet, dann an die russische Front verlegt, verwundet, felduntauglich gesprochen und dann als Zensor im ungarischen Gyula eingesetzt. Hier beginnt dann die Ausprägung seiner politischen Ansichten, die sich noch verstärkt, als er ab 1917 dann im k.u.k. Kriegspressequartier arbeitet. Hier hat Kisch dann Kontakt zu kommunistischen Kräften und schlägt sich schnell auf ihre Seite. Kisch nahm in führender Rolle an der Gründung der Roten Garden in Österreich teil und unterstützte diese auch später noch durch seine Arbeit für die Zeitschriften “Der Freie Arbeiter” und “Die Rote Garde”. Als es letztlich auch in Österreich nicht zur Errichtung einer sozialistischen Republik im kommunistischen Sinne kam, gab Kisch diese Tätigkeit – auch im Anbesicht sich häufender Angriffe – auf, wurde aber Mitglied in der Kommunistischen Partei Österreichs.

Hier haben wir dann also das Problem. Kisch war Kommunist. Das ist natürlich ein Problem, nicht nur im Prag oder Berlin der 1920er Jahre, sondern auch später. Aber nicht nur im Umgang mit der Person Kisch, sondern auch im Umgang mit seinen Texten ist diese Einstellung problematisch. Einerseits muss man sich bei Beschreibungen von Vertretern der Republik (ob dies nun die der Weimarer oder die der österreichischen Ersten Republik sind) stets die Frage nach der Beeinflussung des Porträts durch Kischs ideologische Grundhaltung stellen, aber andererseits ist eine derart offene ideologische Grundhaltung eben auch ein Vorteil beim Interpretieren bestimmter Passagen. Mal ganz davon abgesehen, dass der revolutionäre Kommunismus eines Kisch nicht viel mit dem Klischee des Kommunismus zu tun hat, das uns die Sowjetunion hinterlassen hat. Der andere große Teil in Kischs Werk sind seine Reiseberichte. Kisch war mehrfach in der jungen Sowjetunion, in der Mandschurei, in China, Australien, den USA und Mexiko. In England, Belgien und Dänemark ebenfalls, aber die großen Reportagen stammen aus den erstgenannten Ländern. Und hier ist eben auch eine Art der Betrachtung offenbar, die heute nicht nur nicht mehr üblich, sondern in Zeiten der objektiven Neutralität und der Political Correctness sogar verpönt ist. Kisch nimmt Partei, und das klar und deutlich. Ob es die Jungkommunisten sind, die in den islamisch geprägten Sowjetrepubliken die Unterdrückung der Frauen ausmerzen wollen, oder die Gefangenen in den Tombs in New York, die Bergarbeiter in Belgien oder die Chinesen außerhalb des europäischen Viertels in Shanghai. Kischs Reportagen bleiben trotz dieser Parteinahme spannend, interessant und vor allem – lesbar. Das ist nicht die primitive Propaganda, die man vielleicht schon mal gelesen hat, vom Paradies Kommunismus, sondern eine zwar parteiliche, aber eben nicht unkritische Sicht auf die Verhältnisse.

Ich lese Kisch also, weil er a) gut schreibt, b) über Dinge schreibt, die nicht mehr erlebbar sind und weil c) seine kommunistisch gefärbte Sichtweise dennoch nicht eintönig-dozierend wirkt, sondern Einblicke in Denkweisen gibt, die man heute nur noch schwer verstehen und vermitteln kann.
Ob es wohl eine neue kritische Ausgabe Kischs gibt? Die mir vorliegende zehnbändige Version aus dem Aufbau-Verlag ist noch zu DDR-Zeiten erschienen und leider auch in den Anmerkungen ideologisch gefärbt – ein Nachteil.

Effekte

17. Januar 2010 madcynic 2 Kommentare

Manchmal fragt man sich als Blogger ja, inwiefern man überhaupt Publikum hat und ob man überhaupt wahrgenommen wird. Da ist’s doch schön zu sehen, dass manche Einträge zumindest Wirkung zeigen. So hat die IKA-Gruppe, jetzt einen grammatikalisch korrekten Slogan, “Designed to work perfectly”.

Kann ja nur an meinem Eintrag zum Thema liegen…

Schullektüre

13. Januar 2010 madcynic 2 Kommentare

Inspiriert von des Flints Beitrag zur Schullektüre, der wiederum von einem Beitrag über einen Lokalzeitungsartikel inspiriert wurde, mal ein Blick auf meine Schullektüre. Mal sehen, ob ich das gymnasial alles noch zusammen bekomme…

Los gings in Klasse 5 mit Defoes Robinson Crusoe. Hatte ich vorher schon dreimal gelesen, da hielt sich der Erkenntnisgewinn irgendwo in Grenzen, zumal die Behandlung im Deutschunterricht in Klasse 5 nun eben auch nicht die großen Einblicke vermittelte.
Dann kamen die Vorstadtkrokodile, soweit ich mich erinnere. Ich fand das irgendwie ganz furchtbar und dusslig, was da drin passierte. Überhaupt war meine 5. Klasse deutlich von der unmittelbaren Nachwendezeit geprägt, was sich dahingehend auswirkte, dass praktisch keiner der DDR-Kinder- und Jugendbuchklassiker gelesen wurde.

Ich meine zwar in der 5. noch was gelesen zu haben, aber mein Gedächtnis ist auch nicht mehr, was es mal war. Im nächsten Jahrgang ging es dann mit einem Buch weiter, das ich seinerzeit als furchtbare Quälerei empfand, weil einfach ewig nix passierte – Tolkien, Der kleine Hobbit. Furchtbarer deutscher Titel eigentlich, wenn man sich das mal überlegt. Außerdem gabs noch Lindgrens Ronja Räubertochter, aber das könnte auch schon in der Fünften gewesen sein. Als nächstes kam dann, glaube ich, Damals war es Friedrich – es begann die jahrelange Beschäftigung mit dem Dritten Reich, die sich durch Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Religion fortsetzte. Zwar zumeist doch mit unterschiedlichen Prioritäten, dennoch gab es kein Schuljahr mehr, in dem man sich nicht mit diesen 12 Jahren deutscher Geschichte beschäftigte. Ich glaube nicht, dass ich das Buch komplett gelesen habe, was ein Zeichen für Langeweile ist – zumindest bei mir.

In der siebten setze sich das Thema Drittes Reich fort, mit dem Tagebuch der Anne Frank, das ich ebenfalls nur ausschnittsweise gelesen habe. Ich weiß nicht mal genau, warum, nur dass mich die Lektüre großteils schlicht gelangweilt hat. Ich lese ja gerne, aber die ständige Verknüpfung von Tagebucheintrag und historischen Aspekten ging mir wohl einfach auf die Nerven. Außerdem gabs noch Romeo und Julia in der 7. Klasse, da bin ich mir recht sicher. Im Deutschunterricht natürlich. War jetzt irgendwo auch zu früh, ich glaub nicht, dass man in der Klassenstufe die Feinheiten des Konflikts und die Schönheit des Texts begreifen kann. Irgendwann in dem Zeitbereich kam dann auch Pole Poppenspäler, der einzige Storm in der langen Liste der Schullektüre. Hab ich nicht gelesen.1

In der 8. Klasse kann ich mich nicht an großartige Lektüre erinnern, obwohl da garantiert auch was war. Außer einem Buch mit Namen “Fish House Secrets” im Englischunterricht. Ich kann mich kaum dran erinnern, außer natürlich daran, dass meine Lehrerin es für ne gute Idee hielt, in einer Klasse voller pubertierender Schüler mich die eine Knutschszene vorzulesen. Watt’n Spass. Na gut, Kleider machen Leute haben wir auch noch lesen dürfen. Beziehungsweise hätten wir sollen, aber ich…ach is ja auch egal.

In der 9. Klasse gabs dann Lektürelisten mit 5 Büchern, die wir übers Jahr verteilt lesen sollten. Trotz der Androhung eines schriftlichen Tests am Ende des Jahres hielt sich die Klasse bei der Umsetzung dieser Vorgabe erstaunlich zurück. So kommts denn auch, dass ich Droste-Hülshoffs Judenbuche nicht gelesen hab, auf das Urteil meiner Klassenkameradin C., die meinte das Buch sei die Zeit nicht wert gewesen. Von den anderen Büchern, die auf der Liste standen, hab ich vermutlich auch nicht allzu viele gelesen, zumindest erinnere ich mich an keine Titel.

An die zehnte Klasse erinnere ich mich auch beim besten Willen nicht2, aber eine Lektüreliste gab es auch da, über deren Abarbeitung ich kein Urteil abgeben möchte.3 Bestimmt behandelt haben wir Borchert, Draußen vor der Tür. Gelesen hab ich’s nicht, was dann auch in der Klausur auffiel, weil ich bei meiner Einordnung des Stücks in den Gesamtzusammenhang natürlich nur die Szenen kannte, die man im Unterricht besprochen hatte. Blöderweise hatte ich auch noch einige Stunden durch Arzttermine versäumt.

In der 11. Klasse gabs in Deutsch Nathan und Antigone, in 11/2 Faust I, in 12/1 Faust II – inklusive Theateraufführung an aufeinander folgenden Abenden. Gastspiel des Anhaltischen Theaters Dessau im Opernhaus des Theaters der Landeshauptstadt. In 12/2 gab es dann Brechts Leben des Galilei, das ich allerdings nicht in der deutschen, sondern in der englischen Fassung las…Außerdem muss in dem Bereich auch Dürrenmatt vorgekommen sein, mit dem Richter und seinem Henker sowie den Physikern. Ich meine mich auch an die Ansichten eines Clowns zu erinnern, aber da bin ich mir mit der Zuordnung zum Jahrgang nicht sicher. Auf jeden Fall in der Abiturstufe allerdings, ich erinnere mich an den Kommentar meiner Deutschlehrerin, die mich darüber informierte, dass man gegen die Gepflogenheiten von Erörterungen verstößt, wenn man mit Ironie arbeitet.4
Im Englischunterricht gab’s Miller, Death of a Salesman und dann endlich wieder Shakespeare – Taming of the Shrew. Mein Englischlehrer wollte ursprünglich eine Tragödie behandeln, hatte dann aber ein Einsehen, als wir ihm darlegten, bei all den Tragödien, die man in der Schule liest, müsste man ja zwangsweise depressiv werden. Feiner Zug, das.
Achja, in Latein durften wir die Metamorphosen des Ovid lesen und den unvermeidlichen Gallischen Krieg, wobei zumindest letzteres interessant war. Ersteres bot eher Stoff für Diskussionen über Ovids ethisch-moralische Ansichten.

Insgesamt kann ich mich kaum an Schullektüren erinnern, auch nicht an die, die ich tatsächlich gelesen habe, was ja irgendwie kein gutes Zeichen ist. Andererseits ist’s auch schon zehn Jahre her, dass ich mein Abitur erwarb, so dass ein gewisser Substanzverlust an Erinnerung entschuldbar ist. Red’ ich mir jetzt jedenfalls ein. Wobei allerdings bedenklich stimmt, dass ich mich auch an Lektüre aus Unizeiten inhaltlich nicht sonderlich gut erinnern kann.

  1. Wenn das so weiter geht, hält man mich noch für faul. Naja, zumindest was Schullektüre angeht, ist das nicht ganz von der Hand zu weisen. []
  2. vermute aber, dass dort die Ursache liegt, dass in meinem Buchregal Ausgaben der Buddenbrooks, von Tonio Kröger und Narziß und Goldmund stehen []
  3. Vermutlich liegt die Planerfüllung da auch bei 15% oder so… []
  4. Mist. []

Entschuldigung, aber…

27. Dezember 2009 madcynic 3 Kommentare

Wieso ist Avatar jetzt genau der nächste große Wurf in der Kinotechnik?

Die CGI sieht immer noch aus wie CGI, es gibt auf dem ganzen Planeten nur Lebewesen mit echsenartiger Haut – und Zöpfen/Interfacemodulen, die Story ist hanebüchen beziehungsweise schon fünfhunderttausendmal erzählt. (Last Samurai oder Der mit dem Wolf tanzt, anyone?)

Wenn man 500 Millionen Dollar ausgibt, sollte man eventuell mehr als 2,50 in Kaffee für Obdachlose investieren, die einem in drei Minuten ne Story erzählen. Nichts gegen Obdachlose, aber herrje. Die Handlung folgt komplett logisch, ohne irgendeinen Twist aus der Prämisse des Films – wann hat es das denn bitte zum letzten Mal gegeben. Wäre der zweite Teil (das Cinemaxx hat ja mal wieder ne Pause eingebaut) nicht von der Natur eines Michael-Bay-Films gewesen, wäre ich eingeschlafen. Gott sei Dank war’s nicht mein Geld.

Ich könnte jetzt auch noch ins Detail gehen und mich fragen, warum man nicht wenigstens einen Teil der kolportierten Summe in Überlegungen zur Evolution auf diesem Pandora-Planeten investiert hat. Ich meine, Echsen-Artige, die als Fluchtreflex um die eigene Achse rotierend wegfliegen – und dabei leuchten? Aber naja, war nicht mein Geld. Denn für ne fast dreistündige Techdemo hätte ich keine 8,30 ausgegeben.

Btw: Hat schon wer rausgefunden, für welche Grafikkarte die den gemacht haben?

Fundstück

10. Dezember 2009 madcynic 4 Kommentare

Man kennt das ja: Mitten in einer Diskussion hat man einen Gedanken, den aufzuschreiben sich lohnt. Blöd nur, wenn man den so entstandenen Notizzettel erst viel später findet und sich partout nicht erinnern kann, warum man das nun aufgeschrieben hat.

So gings mir, als ich in meiner Jackentasche eine Notiz fand, die ich am Tresen meiner Stammkneipe machte (schon grundsätzlich schlechte Voraussetzungen). Inhalt:

Der Kapitalismus in den USA ist ein Schwimmbecken.

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